Ausstellung „Neunzehn Namen aus Neunzehntausend“ als Beitrag zur Diskussion um Dresdner Erinnerungskultur eröffnet.

Am 19.02. 2017 wurde die Ausstellung "Neunzehn Namen aus Neunzehntausend“ durch das Kulturbüro Sachsen e.V. und Weiterdenken – Heinrich-Böll-Stiftung im Staatsschauspiel Dresden eröffnet. Die Ausstellung widmet sich der exemplarischen Aufarbeitung von 19 Biografien der anfänglich 19.000 namentlich bekannten Toten Dresdens im Februar 1945. Damit liefert die Ausstellung einen Beitrag zu Diskussionen um Erinnerungskultur in Dresden. Bürgermeister Hartmut Vorjohann, Beigeordneter für Bildung und Jugend, nahm an der Ausstellungseröffnung teil und richtete ein Grußwort an die über 80 Gäste.

Im Jahr 2010 stellte die Dresdner Historikerkommission ihren Abschlussbericht zu den Untersuchungen der Luftangriffe auf Dresden vom 13. bis 15. Februar 1945 vor. Bis dahin waren 19.000 Tote namentlich bekannt. Daraufhin entspann sich eine lebhafte Diskussion in der Stadtgesellschaft, wie ein Gedenken an diese Toten ausgestaltet werden kann. Vor allem die Idee, das Konzept der Kriegerdenkmäler auf die Namen der Luftkriegstoten von Dresden zu übertragen und die 19.000 Namen in der Bußmannkapelle an der Wand zu verewigen, rief starke Diskussionen und Debatten hervor und gab dem entscheidenden Impuls für die Idee zur Ausstellung „Neunzehn Namen aus Neunzehntausend“.

In der Ausstellung werden 19 Biografien vorgestellt, das Leben von unterschiedlichen Personen untersucht, nach ihren Schicksalen, Karrieren und ihrem Verhältnis zum Nationalsozialismus gefragt. Es werden sowohl Lebenswege von Täter*innen des Nationalsozialismus vorgestellt, als auch von sowjetischen und anderen osteuropäischen Zwangsarbeiter*innen in Dresden, einem tschechischen Widerstandskämpfer, deutschen Juden, christlichen und konfessionslosen Deutschen sowie eines Besatzungsmitgliedes eines britischen Bombers.

Grit Hanneforth, Geschäftsführerin vom Kulturbüro Sachsen e.V. über die Ausstellung: „Mit der über Jahre hart erkämpften Gleichwertigkeit von erinnerungskulturellen Formaten, wie der Menschenkette, dem Täterspurenmahngang, Protest gegen Neonazis und dem stillen Gedenken vor der Frauenkirche wurden Facetten dieser neuen Erinnerungskultur kaleidoskopartig sichtbar. Damit hat Dresden etwas entwickelt, was bleibt und was dieser Stadt auch heute bei den aktuellen Herausforderungen in der Auseinandersetzung mit neuen nationalistischen, völkischen und chauvinistischen Tönen helfen kann.“
„Diese Kultur der Erinnerung in Dresden möchte die Ausstellung „Neunzehn Namen aus Neunzehntausend“ mit einer weiteren Facette bereichern und Sie zur Diskussion einladen.“

Die Ausstellung ist bis 19.03.2017 im Eingangsbereich des Staatsschauspiels zugänglich und neben den Theatervorstellungszeiten auch montags von 13:00 bis 20:30 Uhr zu sehen. Eine Finissage, bei der der Ausstellungskatalog vorgestellt und zu einem Gespräch über Dresdner Erinnerkultur eingeladen wird, findet am 19.03. um 11:00 Uhr im Staatsschauspiel statt.