> Schulische Integration – gegen den Strich gebürstet

Mehr als 50 Interessierte, vorwiegend Lehrer_innen, besuchten am Montag den 21.09.2015 eine Veranstaltung des Kulturbüro Sachsen e.V. in Kooperation mit der Bildungsgewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und dem Generalkonsulat der Botschaft der Vereinigten Staaten in Leipzig. Marguerite Lukes Ph. D., Director of National Initiatives/Project R.I.S.E. beim Internationals Network for Public Schools (http://internationalsnps.org/) war zu Gast, um in der Sächsischen Landeszentrale für Politische Bildung zur Schulischen Integration junger Migrant_innen in den USA zu sprechen.

Marguerite Lukes hat über 25 Jahre als Lehrerin mit Schüler_innen mit Migrationshintergrund gearbeitet. Sie erhielt ihren Doktortitel von der New York University, an der sie zu Ausbildungserfahrungen von Migrant_innen forscht und ein Berufsplanungeprojekt zur Betreuung von eingewanderten Schüler_innen für Schulen in den gesamten USA entwarf. Sie stellte zunächst ein klassisches Modell vor, nach welchem eingewanderte Kinder und Jugendliche zunächst in eigenen Sprachklassen englisch lernen, um dann schrittweise in Highschool-Klassen überzugehen. Herausforderungen sind dabei neben dem Spracherwerb, u.a. die sozialen Erwartungen, ein fremdes System, Isolation und Einsamkeit sowie Umgang mit Traumata.
Mit diesem Modell schaffen weniger als ein Drittel der Zugewanderten einen erfolgreichen Schulabschluss.

Deutlich bessere Erfahrungen als mit dem klassischen Modell, wurden in den USA mit Schulen gemacht, die ausschließlich von Migrant_innen unterschiedlicher Herkunft besucht werden und eigens für diese Gruppe geschaffen wurden. Der Sprachunterricht und der Fachunterricht werden an diesen Schulen grundsätzlich zusammen gedacht. Es gibt keine Extra-Sprachlehrer_innen, wie beim klassischen Modell, sondern alle Fachlehrer_innen arbeiten als Teams und begreifen die Ausbildung ihrer zugewanderten Schüler_innen als gemeinsame Aufgabe. Zudem vermitteln sich die Kinder und Jugendlichen in ihren jeweiligen Heimatsprachen das Wissen gegenseitig. Die Antworten auf Fragen formulieren sie gemeinsam in Englisch. Neuen Einwanderern die noch kein Englisch sprechen, kann von anderen Schüler_innen gleicher Herkunft in den jeweiligen Sprachen geholfen werden, um sich in der neuen Umgebung zurecht zu finden. Die Muttersprache und die Migrationserfahrungen werden so nicht zum Stigma, sondern zu einer wichtigen Ressource. Es findet ein umfangreiches Self-Empowerment der jungen Migrant_innen untereinander statt. Rund zwei Drittel der Schüler_innen erreichen an solchen Schulen ihren erfolgreichen Highschool-Abschluss.

Dieses US-amerikanische Modell von Lukes denkt schulische Integration anders als wir es in Deutschland gewohnt sind. Das Denken fokussiert hier auf den Einzelnen mit seiner Migrationserfahrung als Ressource. Im Fokus steht die Frage: Wie schaffen wir es, dass Zugewanderte einen schulischen Erfolg erzielen? Dazu sind, laut Lukes, Wege nötig, die von klassischen Inklusionsmodellen abweichen.
Fakt ist: Menschen, die sich an der Schule wohl fühlen und einen erfolgreichen Schulabschluss erreichen, sind langfristig besser in einer Gesellschaft integriert.